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Politiker Medien
Deutsche Politiker und die Medien
Medienpolitik nach Gutsherrenart: Helmut Kohl begann eine verhängnisvolle Tradition
kohl Gutsherrenart Kohlsgottlieb Interview Sigmund Gottlieb mit Günther BecksteinLeinemann Journalist Jürgen Leinemann
Sigmund Gottlieb, der bayerischen Oppositionspolitikern gerne gegen den Mund fährt, allen mit dem richtigen Parteiausweis, insbesondere aber Regierungsmitgliedern die richtigen Antworten gleich in den Mund legt (beispielhaft sein gottlieb Interview mit Günther Beckstein), kommentierte den Boykott unbequemer Medien durch Gerhard Schröder, SPD, in den Tagesthemen: "Was wir erleben ist Zensur, ist Medienpolitik nach Gutsherrenart. Dagegen war Helmut Kohl ein Waisenknabe. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Wir lassen sie uns nicht nehmen. Nicht von Ihnen, Herr Bundeskanzler, auch nicht von Ihrem Sprachrohr – und überhaupt von niemandem.", SZ, 11.3.2004, S. 17
Gottlieb hat in der Sache recht, er täuscht sich bei Kohl: die Gutsherrenart der Gängelei der Journalisten führte Helmut Kohl, CDU (kohl Die Untaten Helmut Kohls), ein und baute sie aus (kohl Gutsherrenart Kohls).
«Bild»-Chefredakteur Diekmann sieht die Regierung Schröder auf der Suche nach «Sündenböcken» für ihre Politik-Probleme. Die Bundesregierung glaubt sich einer unfairen Medien-Kampagne ausgesetzt und will «Bild» und «Stern» künftig von Interviews und Kanzlerreisen ausschließen.
schröder«Bild»-Chef: «Das ist saudumm», Netzeitung, 11.3.2004
„Es darf kein Journalisten-Ranking beim Bundeskanzler geben.“ Mit diesen Worten reagierte der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) auf die vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung gepflegte Praxis, Verlauf und Tendenz von Interviews der Bundesminister zu bewerten.
Hendrik Zörner, Deutscher Journalistenverband, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hendrik ZörnerPressemitteilung vom 11.3.2004
Trotz einer Beschwerde der Bundespressekonferenz bleibt der Kanzler bei seiner Haltung. «Bild»-Redakteure bekommen keine Interview-Termine mehr.
schröder"Kanzler bleibt bei «Bild»-Boykott", Netzeitung, 10.3.2004
Die Chefredakteure von «Stern», «Bild», «Tagesspiegel», «Berliner Zeitung», «Financial Times Deutschland» und «Tageszeitung» appellierten an die Bundespressekonferenz, den Ausschluss von Journalisten von Auslandsreisen des Kanzlers zu erörtern und den Regierungssprecher Bela Anda aufzufordern, «seine Boykottpolitik umgehend zu beenden». Auch der Vorstand der Bundespressekonferenz (BPK) sprach sich gegen eine «sich abzeichnende Praxis der Bundesregierung» aus, Korrespondenten «wegen der Berichterstattung ihrer Medien von Interviews und der Teilnahme an Informationsgesprächen und Auslandsreisen auszuschließen». Die Chefredakteure werfen Anda vor, zwei Journalisten des «Stern» und zwei «Bild»-Reportern die Teilnahme an den Reisen Gerhard Schröders in die Türkei und die USA mit der Begründung, es mangele an Plätzen, verweigert zu haben.
schröder"Chefredakteure kritisieren Kanzler", Netzeitung, 5.3.2004
Kanzler Gerhard Schröder, SPD, wird «Bild» keine Interviews mehr geben, erklärte sein Sprecher. Dort würden nur «Häme, Hetze und Halbwahrheiten»
schröder"Kanzler Schröder boykottiert «Bild»", Netzeitung, 5.3.2004
Helmut Kohl gab nach Gutsherrenart bevorzugt ihm willfährigen Journalisten Interviews. Fragen wurden von ihm (!) vorgegeben. Der renommierte Journalist Jürgen Leinemann (leinemann Kurzinformation) wurde in 16 Jahren Kohl kein einziges Mal im Kanzlerjet mitgenommen (SZ, 11.3.2004, S. 17).
Kohl Anfang
Jürgen Leinemann (LeinemannWDR: Biografie) * 1937, arbeitete ab 1966 als dpa-Redaktor, ab 1971 für das Nachrichtenmagazin Der Spiegel.
1983 Egon-Erwin-Kisch-Preis,
2001 Siebenpfeiffer-Preises
Siebenpfeiffer Kämpfer für die Pressefreiheit – Siebenpfeiffer-Preis: Philipp Jakob SiebenpfeifferSiebenpfeiffer-StiftungPhilipp Jakob SiebenpfeifferSaarlandPhilipp Jakob SiebenpfeifferSaarpfalz-Kreis
Er schrieb zahlreiche Bücher, darunter 1998 leinemann Helmut Kohl - Die Inszenierung einer Karriere.
Wichtige Artikel Leinemanns im Spiegel über Kohl:
"»Der letzte Dinosaurier« ... über Helmut Kohls zehnjährige Kanzlerschaft". In: Der Spiegel 46 (1992), 40, S. 36-57.
"Patriarch ohne Herbst: Spiegel-Reporter Jürgen Leinemann über das letzte Kapitel im Lebenswerk des Helmut Kohl". In: Der Spiegel 48 (1994), 49, S. 32-33.
leinemann Anfang
Sigmund Gottlieb, BR Chefredakteur, gibt oft die Antworten vor
Beckstein: ... Wie weit geht das Gewissen dem Recht vor? In meinem politischen Leben ist dann z. B. die Frage des Kirchenasyls wieder eine verwandte Problematik gewesen. Diese Fragen habe ich jedenfalls damals in meiner Doktorarbeit sehr ausführlich behandelt.
Gottlieb: Zu welchem Ergebnis sind Sie denn in Ihrer Arbeit gekommen? Was zählt? Gewissen oder Recht?
Beckstein: Das Gewissen ist dem Recht nicht übergeordnet.
Gottlieb: Sondern es ist umgekehrt.
Beckstein: Der Einzelne muss das Recht beachten, selbst dann, wenn sein eigenes Gewissen dagegen steht. ...
Gottlieb: Ein wichtiger Teil Ihrer Biographie ist Ihr Engagement in der evangelischen Kirche. ...
Gottlieb: Es ist ja bekannt, Herr Minister, dass Sie ein Arbeitstier sind. Sie sind wie Stoiber ein “Aktenfresser”: Sie arbeiten 16, 17, 18 Stunden am Tag, wenn es, vor allem auch in Wahlkampfzeiten, sein muss. ...
Auszüge aus: "Dr. Günther Beckstein Bayerischer Innenminister im Gespräch mit Sigmund Gottlieb".
Sigmund GottliebBr alpha Forum, 05.03.2004, 20.15 Uhr
gottlieb Anfang

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 12.3.2004