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Zensur
Zensur beim Bayerischen Rundfunk
Biermösl Blosn BR und die Biermösl Blosn
Filmemacher Christoph Boekel erhielt vom Bayerischen Rundfunk offiziell einen Auftrag zur Münchner Ausstellung zur Geschichte der Wehrmacht eine Film zudrehen. Kulturchef des Bayerischen Fernsehen, Walter Flemmer, setzte den Beitrag kurz vorm Schnitt des Beitrags ab. Die Redaktion von "Capriccio" protestierte beim Fernsehdirektor Gerhard Fuchs: Dieser antwortete, Flemmer habe die Absetzung beschlossen, doch er stelle sich voll und ganz hinter den Entschluß. Boekel warf dem BR öffentlich "politische Zensur" vor. Walter Flemmer wies den Zensurvorwurf zurück und kündigte die Zusammenarbeit ganz. Boekel: "Ich glaube schon, daß es damit zu tun hat, daß die Münchner CSU und Herr Gauweiler sich in Sachen Wehrmachtausstellung sehr weit aus dem Fenster gelehnt haben. Da bekanntlich viele führende Mitarbeiter des Bayerischen Fernsehens der CSU zumindest nahestehen, kann ich mir vorstellen, daß es eine Übereinkunft gab, das Thema nicht noch höher zu hängen."
flemmerBerliner Zeitung 18.03.1997
Erwin Huber, CSU, wurde seine Auffassung ausgeredet, die CSU müsse durch Quotenvorgaben in TV und Rundfunk weitere Zensur ausüben. Er meint nun, "dass künstlerische Qualität keine Zwangsquote braucht", SZ, 8.4.2005, S. 37 und: "Das wäre der falsche Weg. Es passt nicht in eine freie Gesellschaft", SZ, 8.4.2005, S. 45. Da hat Huber fast recht; nur sein "wäre" ist beschönigt, es muss heißen: "Das war der falsche Weg".
Interview mit BR Hörfunkdirektor Johannes Grotzky über Quoten im Rundfunk.
Grotzky: "Ich bin ein heftiger Gegner jeder gesetzlichen Quote. Wo sind die Grenzen? Welcher Bereich soll erfasst, welcher ausgenommen werden?"
Senta Krasser, Süddeutsche Zeitung: "Ihre Kollegen beim WDR oder NDR sehen das ähnlich?"
Grotzky: "Nach meinem Wissen gibt es in keiner öffentlich-rechtlich Rundfunkanstalt und bei keinem Privatsender Verständnis dafür, dass Musik gesetzlich quotiert werden soll."
SZ, 10.9.2004, S. 15 grotzky Quote für deutschsprachige Musik beim BR
Damals ... Heute
Kommt die Polente
dann tanzen wir Tango.
Ist sie wieder weg,
dann tanzen wir Tiger Rag.
Hört die Partei
duddeln wir Volkstümmelei.
Ist sie wieder weg,
dann swingen wir Tiger Rag.

Quote für deutschsprachige Musik beim BR
Auf Druck von Erwin Huber, CSU, hat der Bayerische Rundfunk mehr deutschsprachige Musik in sein Programm genommen. BR Hörfunkdirektor Johannes Grotzky gesteht: Bei vielen Hörern kommt dies nicht gut an. Trotzdem will sich der BR der CSU gehorchen. Stellvertretende BR Sprecherin Regine Fenn: "Wie werden einen langen Atem beweisen." OVB, 25. 3.2004, S.1
Diese "Vereinbarung" ist aus verschiedenen Gründen bedauernswert.
  1. Medienpolitisch: Sie zeigt, dass die Radiosender in Bayern - entgegen allen Verlautbarungen - von der Politik (und das ist in Bayern die CSU) beherrscht werden.
  2. Historisch: Wir hatten schon mal "entartete Musik". Mir langt's mit der Bevormundung der Bevölkerung durch die Politiker.
  3. Wo steht, dass der musikalische Geschmack von Erwin Huber, CSU, Landkreis-JU-Chef Florian Ludwig, Daniela Raab, CSU, dem Bedürfnis der Bevölkerung entspricht?
Ich höre musikalisch vornehmlich Bayern 4. Dauernd die Ausländer Haydn, Mozart, Dvorak, Bruckner, Berlioz, Mahler, Elgart, Verdi, Rossini, Bellini, ... und noch schlimmer: sogar Russen wie Tschaikowsky und Skrjabin muß ich anhören. Wann kommt hier der Druck auf die bayerischen Sender?
grotzky Interview mit BR Hörfunkdirektor Johannes Grotzky
April 1999: Der Bayerische Rundfunk wird 50 Jahre alt.
Die Süddeutsche Zeitung titelt: "Im Würgegriff der Partei hat er sich blamiert..."
Die nachfolgenden Fakten aus: Süddeutsche Zeitung, 10.April 1999, Seite 20
  • weitere Zensurmaßnahmen betrafen Sesamstraße und Günter Wallraf
  • Zensur von Hildebrandts "Scheibenwischer" im Mai 1986
  • nach 1961: Zensur von zwei sich küssenden Homosexuellen
  • "1961 hat der BR das Gemeinschaftsprogramm der ARD durch ein hübsches Flimmern ersetzt, als nämlich Fritz Kortner ein Fernsehspiel gedreht hatte, in dem mit Hilfe einer sparsam bekleideten Lysistrata der Pazifismus sein schreckliches Haupt erhoben hatte."

Zensur beim Bayerischen Rundfunk
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 10.9.2004