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Zensur
Roland Seim, Josef Spiegel . 'Ab 18' - zensiert, diskutiert, unterschlagen. Beispiele aus der Kulturgeschichte der Bundesrepublik Deutschland
Telos, 2002. Taschenbuch, 321 Seiten 3. Ausgabe
Was für eine Fülle von Informationen!
Schon lange fehlt ein Buch über die zeitgenössische Zensur in Deutschland, das alle Bereiche (Literatur, Musik, TV, Hörfunk, Film, Plakate, etc.) abdeckt und das auf den neuesten Stand ist und das ich kenne :-). Hier ist es. Der Nachteil: es ist keine Enzyklopädie, es ist daher nicht vollständig und dies wurde sicher auch nicht angestrebt. Der Vorteil: das Buch wird dem Untertitel Beispiele aus der Kulturgeschichte der Bundesrepublik Deutschland gerecht, d.h. man muß nicht 90 % des Werkes von der Zensur in Sri Lanka lesen (dafür gibt es andere Bücher); es liest sich locker, da es vielseitig den Zensoren die Leviten liest; die Darstellung erfolgt durch die verschiedensten Autoren: Roland Seim und Josef Spiegel sind Dozenten an der Wilhelms-Universität in Münster / Westfalen. Weitere Beiträge stammen von Studierenden und in einem dritten Teil kommen die Künstler selbst zu Wort (darunter mein Hit Klaus Staeck mit den herrlichen Plakaten). Das ganze Buch wird durch einen ausführlichen Dokumentationsteil abgerundet.
Nun, die einführende Geschichte der Zensur von der Antike bis zur Aufklärung ist zu kurz, am findet sie an vielen Stellen ausführlicher; vielleicht kann ein Neuling auf dem Gebiet der Zensur damit was anfangen: mir brachte dieser Teil nichts. Doch im anschliessenden Teil für die Bundesrepublik erfuhr ich manch Neues (obwohl ich mir einbildete, schon viel davon zu kennen). Ganz neu war mir beispielsweise, daß 1988 die Staatsanwaltschaft München sich nicht zu dumm war, Verse von Bertolt Brecht zu zensieren (S.86). Doch wenn man bedenkt wie hart gegen Gegner des Kriegs in Afghanistan vorgegangen wird (Suspendierung vom Dienst für den Lehrer Nolz), kann man die Überreaktion ob eines Gedichtes gegen den Krieg von Brecht verstehen, nein, nicht verstehen, nachvollziehen. Wichtig: alles ist gut mit Quellenangaben versehen; wer will kann es nachlesen und selbst bewerten. Zum Bewerten: Endlich wird festgehalten (OK, steinigt mich), daß auch Ultrarechte ihre Meinung äußern dürfen, wenn auch die jeweiligen Autoren in 'Ab 18' - zensiert, diskutiert, unterschlagen schon mal einschränken: eigentlich wäre es ganz gut, daß die zensiert und verfolgt werden. Immerhin wird die PC (political correctness) mal nicht übertrieben. Ein Buch, das zeigt, daß man sich die freie Meinungsäußerung immer wieder erkämpfen muß. Letztes Manko: auf den drei Seiten Kopie aus dem JMS Report (S.253-255) wurde die Schrift so mickrig, daß sie unleserlich ist. Sonst aber ein Buch, in dem man gerne mal wieder was nachliest und das dem aufmerksamen Leser zeigt, wie willkürlich die Zensurmaßnahmen immer waren und leider noch sind und wie lächerlich alle Zensoren machen.
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Roland Seim, Josef Spiegel . 'Ab 18' - zensiert, diskutiert, unterschlagen. Beispiele aus der Kulturgeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Telos, 2002. Taschenbuch, 321 Seiten 3. Ausgabe seim
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